Freudenhaus

Rezension, erschienen in "Schnitt" Nr. 25, 1/2002

D 2001. R,B: Der Veit Club. K: bekka. S: Sung-Hyung Cho. M: Michael Hagenmayer. P: Junge Filmszene im Bundesverband Jugend & Film, Filmhaus Frankfurt. D: Vera Kluth, Sven Philipp u.a. 5 Min.

Im Kino des überwiegend männlichen Blickes hatten Frauen seit jeher schlechte Karten. Kein Wunder, daß im Alter der Nachholbedarf groß und die Lust nicht kleinzukriegen ist. Gesagt, getan, und schon wird das Altenheim zum Freudenhaus, in dem die angegrauten Damen den Zivis mit Fernrohr, List und Tücke auf den Hintern und andere Körperteile zu spähen versuchen. Der Kurzfilm "Freudenhaus" entstand im Rahmen eines Workshops des Filmhaus Frankfurt und des Bundesverband Jugend und Film, geleitet von "Tuvalu"-Regisseur Veit Helmer. Das Skript zum 5-Minüter entwickelten die etwa 30 Teilnehmer in Gemeinschaftsarbeit, die zweitätigen Dreharbeiten wurden mit rotierendem Aufgabensystem bewältigt. Daß zuviele Köche nicht den Brei verderben müssen, sondern sich gegenseitig zu kreativen Leistungen aufschaukeln können, ist dem gewitzten Endprodukt trotz kleiner Detailfehler anzusehen. Aber gerade diese Gratwanderung von Professionalität und Selfmade-Charme gibt dem Film diese Note, die vielen Abschlußarbeiten fehlt weshalb sie häufig auch so steril wie einen Kukident-Werbespot wirken. "Freudenhaus" ist an den richtigen Stellen schmutzig, und vor allem Hauptdarstellerin Vera Kluth sitzt der Schalk so dermaßen im Nacken, daß man ihrer rüstigen Voyeurin eine eigene Comedy-Nummer wünschen würde. Besser als Marco Rimas Opa Frei ist "Frau Lingner" nämlich allemal.

Matthias Grimm

"Schnitt"-Homepage: http://www.schnitt.com

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