Impressionen unseres Komponisten aus Michael Hagenmayers Online-Tagebuch

01.07.2000

Back from Frankfurt - ich hatte tolle Tage beim Filmdreh zum Kurzspielfilm "Das Freudenhaus", so jedenfalls momentan noch der Arbeitstitel. Schon ultraspannend, wie so ein Film entsteht! Ein 30-köpfiges Team hat da locker mal alle Hände voll zu tun, wenn es am Motiv (die Filmer sagen allesamt "Motiv" statt "Set") dann heißt: Ton - läuft - Video - okay - Kamera - okay - Klappe - Kamera läuft - Action! Ein unglaublicher Aufwand für jede noch so kurze Szene! Bis da Beleuchtung und Kamera positioniert sind, Regisseur, Produktionsleiter, Aufnahmeleiter, Script, Continuity, Ausstattung, Klappe, Tonangler, Schauspieler, Kamera- und Tonmann ihr "go" geben und die Videoausspiegelung stimmt - das alles ist schon ein Abenteuer für sich. Für mich jedenfalls hochinteressant. Allein die Kamera kostet eine halbe Million Mark, und was stand da noch alles an Technik am Motiv! Stromaggregate, Tonequipment für Sprache (mono) und Atmosphäre, also sämtliche Nebengeräusche (stereo) sowie die Videoübertragung für den Regisseur, der ja nur selten durch die Kamera schaut - alles garniert von der auch in der Musik leider allzu üblichen "Spaghettifabrik", den abartig vielen Kabeln und Fußangeln also. Neben der ganzen Technik außerdem natürlich Ausstattung, Requisite, Maske, Schauspieler-, Komparsen- und Pressebetreuung, Fahrdienst und last not least dreimal täglich Catering. Journalistenbesuche und Photoshootings am Drehort nebenbei, der am Rande stattfindende Dreh eines Produktionsfilms, dem "Making-of", Interviews mit vielen Beteiligten und eine Million andere Dinge. Gelegenheit unter anderem auch für mich, mit dem Team über die Filmmusik zu diskutieren und das vorab produzierte Demo des Leitthemas zu präsentieren (Hurra - ist sehr gut angekommen!). In ein paar Tagen wird auch eine eigene Website dieses Films im Netz stehen, ich kenne jedoch noch nicht den Namen der Seite, melde es dann hier aber sofort, wenn ich ihn erfahre (die Graphiker haben sich am Drehort jedenfalls auch schon getroffen und erste Entwürfe und Konzepte ausgetauscht). Also ein rundum multimediales Happening, so ein Dreh. Da seit Freitag - direkt nach der Filmentwicklung - bereits der Roh-Cut des Streifens geschnitten wird, hatte ich gerade noch ganze zwei Tage, den Soundtrack fertigzustellen, aus dem urspünglich angedachten Reggae einen Ska-Reggae zu machen, außerdem noch ein paar atmosphärische Sounds zu kreieren, was für mich eine Riesenarbeit war - habe ich doch in üblicher Manier alle Instrumente selbst gespielt, selbst getextet, selbst gesungen, selbst aufgenommen, selbst abgemischt, selbst gemastert und selbst geschnitten, sicherheitshalber sowohl auf CD als auch auf DAT. Wurde nach drei Tagen fast ohne Schlaf fertig und konnte unsere Cutterin Sung-Hyung rechtzeitig "beliefern". More details after giving me two days of sleep! Hier noch ein Bild mit einem Teil unseres Teams, vorn in der Mitte Regisseur Veit Helmer.

Michael Hagenmayers Homepage mit vielen Musikbeispielen: http://www.hagenmayer.de

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